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BBT und Zulaufstrecken

Der Bau des längsten Eisenbahntunnels der Welt erfordert ein hohes technisches Können, dies versteht sich von selbst. Die Dimension und die Ausrichtung der neuen Eisenbahnlinie haben europäischen Zuschnitt, da es die wichtigste Verbindung zwischen Mitteleuropa und dem Süden darstellt. Die Auswirkungen eines Bauwerkes dieser Dimension auf Tourismus und Gesellschaft ist jedoch im ersten Augenblick nicht ersichtlich, auch wenn der Zweck eines solchen Bauwerks vor allem die Erhöhung der Lebensqualität der entlang der Strecke lebenden Bevölkerung ist, wie auch jener, die ihren Urlaub in Gegenden verbringen, die von der neuen Eisenbahnlinie durchquert werden. Die Bevölkerung entlang der Strecke fühlt in besonderem Maße alle Probleme, die mit dem Bau verbunden sind, sie werden aber auch die ersten sein, welche die Vorteile der neuen Linie fühlen, sobald sie in Funktion tritt, denn sie werden die Verbesserung ihrer Lebensqualität besonders deutlich erleben.
Vier Aspekte sollen hier angesprochen werden:
1. Das technische Vermögen
2. Die touristischen Auswirkungen
3. Die Logistik
4. Die Lebensqualität

1. Die Technik
Dass bei einem Bauwerk dieser Dimension die angewandten Techniken von höchster Qualität sind ist wohl augenscheinlich. Die Bauzeit geht auch einer gewissen Belastung der Bevölkerung und der Umwelt einher, dies lässt sich nicht vermeiden, auch wenn die eigentlichen Baustellen unterirdisch verlaufen und deshalb auch nicht stören. Ein Teil der Baustelle befindet sich allerdings auch oberflächlich und kann Belastungen durch Staub, Lärm, die Lastautos als Zubringer der Baumaterialien usw. hervorrufen. Es ist Aufgabe der Beobachtungsstelle für Umwelt und Arbeitsschutz über die Einhaltung der Vorschriften im Genehmigungsverfahren zu wachen. Die Vorteile dieses Überwachungssystems zeigen sich in den positiven Auswirkungen und den geringen Belastungen indem sie diese auf möglichst geringen Niveaus halten. Die Existenz einer solchen neutralen Stelle, an die sich der Bürger jederzeit wenden kann, wenn er sich Problemen durch den Bau gegenüber sieht, wird von der Bevölkerung positiv wahrgenommen und sehr geschätzt.

2. Die touristischen Auswirkungen
Die Bevölkerung der Gebiete, die von der neuen Eisenbahnlinie durchquert werden, muss über den Fortgang der Arbeiten ständig auf dem Laufenden gehalten werden, dies ist ihr Recht. Aber auch viele Touristen sind an den Informationen über die neue Linie interessiert und wenden sich dazu an den Infopoint der Beobachtungsstelle. Ca. 7.000 bis 8.000 Besucher im Jahr kommen aus der Umgebung aber auch aus ganz Europa und nehmen die Gelegenheit eines diesbezüglichen Informationsbesuches und einer Besichtigung des Tunnels wahr. Tage der offenen Baustelle wie jene am 13. Mai mit ca. 2.200 Besuchern an der Baustelle Mauls zeigen das Interesse, sie alle zeigten sich über den Fortgang der Arbeiten, über die angewandten Techniken und den Ablauf zufrieden. Es ist in der Zwischenzeit „ihr“ Tunnel und eine touristische Attraktion geworden. Viele Wissenschaftler, Techniker, Professoren und ihre Studenten aus in- und ausländischen Universitäten nehmen ebenso die Besuchsgelegenheit wahr um ihr technisch-wissenschaftliches Wissen zu ergänzen, denn solche Gelegenheiten zeigen sich ja nicht alle Tage. Es hat sich dementsprechend auch ein technischer Tourismus etabliert.

3. Die Logistik
Der Sinn des Brennerbasistunnels und seiner Zulaufstrecken liegt im Verlagern des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene im neuen Tunnel und um die Belastungen der Bürger und der Umwelt zu verringern, sei es bezüglich der Emissionen, des Lärms, sei es durch Überlastung und Verstopfung der Autobahn und aller Durchzugsstraßen. Die neue Linie erhöht die Transportkapazität und wird gleichzeitig die Kosten des Transports reduzieren, indem nur erneuerbare Energien aus lokalem Umfeld verwendet werden. Dieses Konzept ist innovativ und weitsichtig, das gesamte Energiethema ist ein Zukunftsthema geworden. Die Unabhängigkeit von den fossilen Energieträgern wird erhöht und folgt den Konzepten der De-karbonisierung des Verkehrs und des Grünen Korridors.
Gleichzeitig existiert auch die BCP, die „Brenner Corridor Plattform“, wo Aktionspläne ausgearbeitet werden, damit die neue Strecke das angestrebte Ziel erreicht: eine attraktive Transportform, die für den Warentransport bevorzugt wird, da sie wirtschaftlicher und ökologischer ist. Die De-karbonisierung besteht in der Realisierung des Konzepts, dass in Zukunft die Transportkapazität ohne CO2-Ausstoß und ohne schädliche Emissionen erreicht wird, indem man erneuerbare Energien aus lokaler Herkunft verwendet.
Erstmals wurde eine Struktur wie die BCP auf europäischer Ebene gegründet um die Arbeiten entlang der Strecke München-Verona zu begleiten, indem sie sich mit den anstehenden Problemen bis zur Inbetriebnahme der Strecke auseinandersetzt. Die EU, die entsprechenden Ministerien der drei Staaten, die Regionalregierungen der fünf Provinzen/Länder, die drei Eisenbahn- und Autobahngesellschaften arbeiten zu diesem Zweck zusammen. Dies zeugt den klaren politischen und strategischen Willen, die Zukunftsprobleme des Transportes anzugehen und zu lösen.

4. Die Lebensqualität
Die Definition von Lebensqualität hat verschiedene Aspekte: soziales Wohlergehen mit einem sicheren Arbeitsplatz, eine gesunde und saubere Umwelt, gesunde Luft und klares Wasser, umweltgerechter Personen- und Warenverkehr ohne schädliche Emissionen, eine konstante und vertrauenswürdige Wirtschaft persönlich wie auch gesellschaftlich. Alles dies erwartet sich der Bürger vom neuen Tunnel wenn er in Funktion tritt.
Südtirol profitiert wirtschaftlich vom Verkehr und von seiner Verbindungsfunktion zwischen Nord und Süd Europas. Wenn der Verkehr aber wie in den letzten Jahren zunimmt, steigen auch die damit verbundenen Belastungen in exponentieller Art. Die sensiblen Berggebiete und vor allem die Bevölkerung leiden unter dieser Situation. Die neue unterirdische Trasse und deren moderne Bestückung werden die Erwartungen der Zukunft erfüllen, auch wenn ihre Realisierung Zeit braucht während der man die Baustellen ertragen muss, die andererseits aber Arbeit für viele geben.
Die positiven Veränderungen der Lebensqualität sind nicht von einem Moment zum anderen machbar. Die Qualität und die Verbesserungen durch ein Bauwerk dieser Dimension erfordern Geduld. Jeder Schritt muss aber schon eine Vorstellung der zu erwartenden Situation vermitteln, damit wir das, was wir erhalten werden, auch begreifen können.

Dr. Walter Huber Dr. Walter Huber

Brenner Basistunnel Beobachtungsstelle für Umwelt und Arbeitsschutz

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