Südtiroler Umweltportal
www.ekos.bz.it
BACK

Das Projekt CHIC (Clean Hydrogen in European Cities)

CHIC

Die Zukunft ist CHIC
Mit Brennstoffzellenbussen in eine emissionsfreie öffentliche MobilitÄt!


Mit fünf Brennstoffzellenbussen startet Südtirol in eine neue Ära: Wasserstoff statt fossile Treibstoffe, nur Wasserdampf statt Abgase, Brennstoffzellen und Elektromotoren anstelle von Verbrennungsmotoren – das ist es, was diese modernen Busse von herkömmlichen Bussen unterscheidet. Über die STA Südtiroler Transportstrukturen AG und das iit Institut für innovative Technologien ist die Autonome Provinz Bozen in das europäische Demonstrationsprojekt “CHIC” (Clean Hydrogen in European Cities -Sauberer Wasserstoff in europäischen Städten) eingebunden. Zielsetzung ist die Verbreitung dieser innovativen Antriebstechnologie im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und das Vorantreiben ihrer Markteinführung in Europa. Seit 18. November 2013 betreibt das städtische Busunternehmen SASA als Partner in Bozen die umweltfreundlichen Brennstoffzellenbusse auf den Linien 10A und 10B.

Neben Südtirol sind der Kanton Aargau, London, Oslo und Mailand sowie zwei Dutzend weitere europäische Partner aus Forschung, Dienstleistung und Industrie am Projekt beteiligt. Insgesamt kommen 26 Brennstoffzellenbusse zum Einsatz. Innerhalb der “Gemeinsamen Technologieinitiative für Brennstoffzellen und Wasserstoff” des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms ist CHIC das Projekt mit dem größten Gesamtbudget von rund 82 Mio. Euro, davon sind 26 Mio. Euro von der EU gefördert. In Südtirol belaufen sich die Gesamtkosten für das auf mehrere Jahre angelegte Projekt auf 13,5 Mio. Euro. Davon tragen die Landesressorts für Mobilität und für Innovation 9 Mio. Euro, den Rest die EU. Mit diesen Mitteln werden die Anschaffung der Busse, ihr Betrieb, ihre Wartung, die Schulung des Betreiberpersonals, die Anpassung des Betriebshofes, die Begleituntersuchungen zu Leistungsfähigkeit, Umwelteinflüssen und Akzeptanz der Busse im Territorium, sowie die Öffentlichkeitsarbeit und das Projektmanagement bestritten.

CHIC
Brennstoffzellenbus im Einsatz auf der Linie 10B in Bozen (Quelle: STA/Riller)


So funktionieren Brennstoffzellenbusse

In Bezug auf Aussehen, Leistung und Reichweite unterscheiden sich die Brennstoffzellenbusse kaum von herkömmlichen Dieselbussen. Der Unterschied liegt im Antrieb und in der Energieversorgung. Die Busse werden von Elektromotoren an den Radnaben angetrieben. Den Strom erhalten sie aus der Brennstoffzelle, einem Energiewandler, in dem Wasserstoff und Luftsauerstoff miteinander elektrochemisch reagieren. Als Nebenprodukte entstehen nur Wasserdampf und Wärme. Wird, wie in Südtirol, für die Herstellung des Wasserstoffs Strom aus erneuerbaren Energiequellen eingesetzt, so ist diese Antriebstechnologie entlang der gesamten Wertschöpfungskette frei von klima- und gesundheitsschädlichen Emissionen. Mit dem Strom aus der Brennstoffzelle werden auch die Nebenaggregate der Busse, wie Druckluftkompressor, Klimaanlage oder Wasserpumpen elektrisch angetrieben. Aufgrund des hohen Wirkungsgrades von Elektromotoren läuft der Bus sehr energieeffizient. Je nach Fahrbetrieb wird ein Teil der elektrischen Energie in einer Hochvolt-Batterie gespeichert oder von dort abgerufen. Die Busse verfügen vom Start an über das volle Drehmoment und da das klassische Getriebe der Verbrenner wegfällt, ist die Beschleunigung stufenlos. In Kombination mit den geräuscharmen Elektromotoren bringt das einen hohen Fahrkomfort, was sowohl die Busfahrer als auch die Passagiere bestätigen. Beim Bremsen wirken die Antriebsmotoren als Generatoren, die Strom rückgewinnen, der wiederum in der Hochvolt-Batterie gespeichert wird. Der Wasserstoffverbrauch kann somit gesenkt werden. Der Wasserstoff wird ähnlich wie bei Methangasbussen in Druckflaschen bei 350 bar auf dem Dach mitgeführt. Druckflaschen und wasserstoffführende Leitungen sind mehrfach abgesichert. Dasselbe gilt für die Hochvolt-führenden Teile. Sie sind nur für das spezialisierte Wartungspersonal zugänglich, im konkreten Fall der Firma OMNIplus in Brixen, die die Instandhaltung durchführt. Die Tatsache, dass Wasserstoff und Brennstoffzellenbusse für den ÖPNV europaweit schon seit Jahren zugelassen sind, zeigt, dass die Technologie absolut sicher ist.

Zielsetzung und Nutzen
Der Anteil des Transportsektors an den CO2Emissionen in Europa beläuft sich auf 23%. Die EU-Vorgaben zur CO2-Reduzierung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten können nur durch einen stärkeren Einsatz von emissionsarmen bzw. emissionsfreien Mobilitätslösungen erreicht werden. “Das Land Südtirol hat sich diesbezüglich im Klimaplan -Energie-Südtirol 2050- ehrgeizige Ziele gesetzt. Dazu gehören die Verlagerung des Personenverkehrs auf energieeffiziente öffentliche Verkehrsmittel, der langfristige Ersatz von fossilen Energieträgern mit erneuerbaren und bis 2025 die Umrüstung der Fahrzeuge des ÖPNV in innerstädtischen Einsatzgebieten auf emissionsarme Antriebssysteme wie z.B. Strom, Wasserstoff und Methan”, so Mobilitätslandesrat Florian Mussner.

CHIC
Aufbau des Brennstoffzellenbusses (Quelle: STA/Mittermair)


“In den letzten zehn Jahren wurde das öffentliche Verkehrsnetz massiv ausgebaut. Die dazu notwendigen Infrastrukturmaßnahmen hat die STA, eine Inhouse-Gesellschaft der Autonomen Provinz Bozen, umgesetzt. Beispiele sind die Gesamtsanierung der Vinschgerbahn und der Pustertaler Bahn, der Neubau der Rittner Seilbahn, der Ankauf landeseigener Zuggarnituren, die Modernisierung und die Neuerrichtung zahlreicher Bahnhöfe und Bahnhofsareale sowie der Betrieb und die Wartung einiger dieser Mobilitäts-Infrastrukturen. Ins Auge gefasst werden dabei immer umweltfreundliche und innovative Lösungen”, unterstreicht STA-Direktor Joachim Dejaco.

“Züge und Seilbahnen leisten durch den elektrischen Antrieb schon lange einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung von schädlichen Emissionen im ÖPNV. In diese Richtung wird es auch beim Personentransport auf der Straße gehen. Ein rein elektrischer Antrieb gespeist über Batterien ist hier noch nicht zielführend, da zum einen die Energiedichte zu gering ist, um die Strecken im öffentlichen Personenverkehr zu bewältigen, und zum anderen die Fahrgastkapazität nicht ausreicht. Mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellenbusse hingegen stellen eine viel versprechende Lösung dar”, stellt STA-Projektleiterin Marlene Rinner fest. Für Südtirol stellt die Teilnahme am Projekt CHIC einen weiteren notwendigen Schritt auf dem Weg zu einer emissionsfreien Mobilität und insgesamt zu einer Verbesserung der Lebensqualität dar. Die Herstellung des Wasserstoffs aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasserkraft und Solarenergie ermöglicht es, die Brennstoffzellenbusse klimaneutral zu betreiben. Mit diesen Bussen werden im Stadtgebiet Bozen die auf den innerstädtischen ÖPNV zurückzuführenden Schadstoffemissionen um 5 % reduziert sowie die Lärmemissionen innerhalb und außerhalb des Fahrzeuges wahrnehmbar verringert. Das Projekt ist auch ein Impulsgeber für zukünftige umwelttechnologische und wirtschaftliche Entwicklungen. Es werden Kompetenzen im Bereich der Dienstleistung und Wartung von Brennstoffzellenbussen und allgemein von Brennstoffzellenfahrzeugen aufgebaut. Dasselbe gilt für die Herstellung und Verteilung von Wasserstoff sowie dessen Nutzung als Speicher von Strom aus erneuerbaren regionalen Energiequellen. Die Verwendung von Wasserstoff als Energieträger hat langfristig die Unabhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern zur Folge, ein Ziel, das die EU in ihrer Energiepolitik anstrebt. Die Wertschöpfung, die bis heute für den Kauf von sich verknappenden fossilen Energieträgern abfließt, bleibt somit im Lande. Es werden Entwicklungen von innovativen Anwendungen der Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie in den Bereichen Industrie, Bau, Landwirtschaft und Tourismus durch lokale Unternehmen angestoßen und hoch qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Südtirol wird seine Position als “Green Region” weiter festigen, da es mit dem Projekt CHIC die Chance nutzt, bei den Entwicklungen im Bereich der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie ganz vorne mit dabei zu sein.

Nützliche Links:

www.chic-project.eu
http://youtu.be/tb5rdd5xQ1A
http://youtu.be/iySgcq5sveQ

Informationen:

STA

STA Südtiroler Transportstrukturen AG
Gerbergasse 60, I-39100 Bozen
Tel. +39 0471 312 888 Fax +39 0471 312 899
e-mail: info@sta.bz.it