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Südtiroler Energiebilanz 2000-2008

Das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) hat im Jahr 2009 erstmals zusammen mit dem Ökoinstitut Südtirol/ Alto Adige eine Studie zur Erstellung der Südtiroler Energiebilanz durchgeführt. Die verwendeten Daten beziehen sich auf den Zeitraum 2000-2008 und sind in die folgenden Hauptverwendungsbereiche unterteilt: Verkehr, thermische und elektrische Energie.

Mit der Energiebilanz können die Prozesse, welche den Energieaustausch innerhalb eines Gebietes von der Produktion und Verteilung bis zum Endverbrauch regeln, abgebildet werden. In Südtirol sind die primären Energiequellen die eingeführten Mineralölerzeugnisse (vor allem Diesel, Benzin, Erdgas, Flüssiggas und Heizöl) und die vor Ort produzierte erneuerbare Energie (aus Wasserkraft, Biomasse, Solarwärme, Hausmüll, Biogas, Photovoltaikanlagen, flüssigen Biobrennstoffen und Windenergie).

Primäre Energiequellen
Mehr als die Hälfte (50,8%) der in Südtirol eingesetzten Energie stammt aus eingeführten fossilen Energiequellen. Die restliche Energie wird vor Ort erzeugt.
Dabei handelt es sich um erneuerbare, also „saubere“ Energie. Genauer gesagt stammen 37,8% der gesamten Energie aus Wasserkraft und 11,4% aus anderen erneuerbaren Energiequellen.
Die Energie aus Wasserkraft ist die insgesamt wichtigste eingesetzte Energieart, auch wenn 48,5% davon außerhalb des Landes verkauft werden.
Auf der Seite der Energieproduktion entsprechen sich die Prozentanteile der fossilen und erneuerbaren Energien nahezu; auf der Verbrauchsseite zeigt sich jedoch, dass Südtirol zur Deckung von rund zwei Dritteln (62,2%) des Energiebedarfs noch auf Erdölprodukte zurückgreifen muss.

Südtiroler Energiebilanz 2000-2008


Die fossilen Brennstoffe werden vor allem für den Bereich Verkehr und zum Teil für die thermische Energie verwendet.
Für diesen zweiten Bereich werden auf Landesebene auch erneuerbare Energiequellen genutzt. Zu erwähnen sind Fernheizung, Pellet-, Hackschnitzel- und Holzheizung, Solarwärme, Hausmüll und Biogas.
Bei der Stromerzeugung innerhalb Südtirols spielt die Wasserkraft die größte Rolle. Im Jahr 2008 stammen 98,8% der im Land produzierten elektrischen Energie aus Wasserkraftwerken.

In Südtirol befinden sich:
• 784 Wasserkraftwerke mit einer Leistung unter 200 kW;
• 116 mit einer Leistung zwischen 200 und 3.000 kW;
• 30 mit einer Leistung über 3.000 kW.

Davon werden 47% von der ENEL S.p.A., 17% von der HYDROS GmbH, 11% von der SEL Edison AG, 7% von der Etschwerke AG und der Rest von anderen Konzessionsinhabern betrieben.

Der zweitgrößte Produktionsbereich für elektrische Energie umfasst die Kraft-Wärme-Koppelung (Biomasse), flüssige Biobrennstoffe, Hausmüll und Biogas. 2008 erzeugte dieser Bereich 0,9% der gesamten Südtiroler Stromproduktion.
Die übrige Produktion geht auf Photovoltaikanlagen (Leistung 37,5 MW) und zu einem sehr geringen Teil auf Windkraftanlagen zurück.

Energieproduktion
Wie bereits erwähnt, stammt die gesamte Energieproduktion auf Landesebene aus erneuerbaren Energiequellen. Die Daten zeigen, dass die Wasserkraft und Holzbiomasse fast die gesamte in Südtirol produzierte und verbrauchte erneuerbare Energie auf sich vereinen.
Der beträchtliche Anteil der Holzbiomasse (12,3% am
gesamten Südtiroler Energieverbrauch unter Berücksichtigung der fossilen Brennstoffe) hängt wahrscheinlich mit der weiten Verbreitung der mit Scheitholz befeuerten Öfen zur Erzeugung von thermischer Energie zusammen.

Energieverbrauch 2000-2008
Der Stromverbrauch steigt seit 2000 kontinuierlich an. Eine Ausnahme bildet das Jahr 2007, in dem ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet wurde.
Der Stromverbrauch und insbesondere der Verbrauch von thermischer Energie spiegeln im Bezugszeitraum die Entwicklung des gesamten Energieverbrauchs wider. Umgekehrt verhält es sich mit der Entwicklung im Bereich Verkehr. In den letzten vier Jahren hat dieser zwar eine Zunahme
um 6,7% verzeichnet, insgesamt gingen die Werte zwischen 2000 und 2008 jedoch um 4,7% zurück.

Südtiroler Energiebilanz 2000-2008


Die Analyse der prozentuellen Veränderungen der verschiedenen Energiequellen zwischen 2004 und
2008 zeigt, dass der Verbrauch im Bereich Verkehr im Verhältnis zu den anderen Sektoren am geringsten (+2,2%) und die thermische Energie am stärksten (+9,5%) angestiegen ist.

Die Vergleichsanalyse zwischen Heizgradtagen und Verlauf des Wärmeverbrauchs zwischen 2004 und 2008 ergibt, dass die klimatischen Bedingungen, d.h. die Außentemperaturen, deutlichen Einfluss auf den Verbrauch von thermischer Energie in Südtirol haben.

In Südtirol benötigt der Heizungsbereich am meisten Energie (5.310 GWh jährlich). Der Anteil des Verkehrs (etwas mehr als 3.600 GWh) am Energieverbrauch ist ebenfalls bedeutend und liegt bei 30,8% der gesamten in Südtirol verbrauchten Energie.
Hierzu gilt hervorzuheben, dass der Verbrauch von thermischer Energie zwar stetig zunimmt, sich sein
Wachstum in den letzten fünf Jahren aber merklich verlangsamt hat (von +21,5% im Fünfjahreszeitraum 2000-2004 auf +9,1% im Zeitraum 2004-2008).

Der Verbrauch von Treibstoffen für den Verkehr war bis 2005 rückläufig (2000-2005 -10,7%), seit 2005 steigt er hingegen kontinuierlich an (2005-2008 +6,7%).

Die Analyse des Energieverbrauchs nach Sektor und je Einwohner ergibt einen durchschnittlichen Energieverbrauch von 23.908 kWh jährlich pro Einwohner Südtirols.
Angesichts eines eher geringen Stromverbrauchs sticht das deutliche Missverhältnis mit dem thermischen Sektor ins Auge. Dieser hält einen Anteil von 44,7% (10.698 kWh jährlich pro Einwohner) am gesamten Energieverbrauch.
Berücksichtigt man nur die elektrische und thermische Energie und schließt den Verkehr aus, wird der Anteil der Energiezufuhr durch erneuerbare Energien in Südtirol auf 55% des gesamten Energieendverbrauchs geschätzt. Teilt man diesen Wert auf, werden 100% des Strombedarfs und 30,4% des Heizungsbedarfs mit „sauberer“ Energie gedeckt.

QUELLE: ASTAT