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Sicher oder umweltschonend?

Sicherheit und Umweltschutz: Zwischen diesen beiden Polen hat sich der Straßendienst des Landes zu bewegen? Wie er den Spagat schafft und ob es überhaupt ein Gegensatzpaar ist, erklärt Landesrat Florian Mussner.

Salz streuen, ja oder nein? Der Winterdienst scheint ein ständiges Abwägen zwischen der Sicherheit der Autofahrer und dem Schonen der Natur zu sein. Trügt dieser Eindruck?

Landesrat Florian Mussner: Der Eindruck stimmt insofern, als dass wir bei jedem Einsatz eruieren müssen, wie viel Salz gestreut werden muss, um die Sicherheit der Autofahrer zu gewährleisten, gleichzeitig aber auch den Umweltaspekt nicht außer Acht lassen dürfen. Im Zweifelsfall überwiegt natürlich die Sicherheit, doch glücklicherweise versetzen uns Wissenschaft und Technik in die Lage, daraus kein Dilemma entstehen zu lassen.

Wie meinen Sie das?

LR Mussner: Ganz einfach: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die High-Tech-Ausstattung unserer Streugeräte ermöglicht es uns, eine optimale Salzdosierung für jeden einzelnen noch so kleinen Streckenabschnitt zu wählen. Die Schäden, die das Salz an Flora und Böden anrichtet, können so in vertretbaren Grenzen gehalten werden. Es ist also keine Entweder-oder-Situation mehr, in der man entscheiden müsste, ob man für die Sicherheit oder für die Umwelt ist.

Trotzdem bleibt es die Wahl zwischen größerem oder kleinerem Übel. Wenn es auch keine Entweder-Oder-Situation mehr ist, kann man denn nicht eine Sowohl-als-auch-Situation draus machen?

LR Mussner: ...sicher derzeit noch nicht für viel befahrene Straßen. Dort wäre das Risiko unvertretbar hoch, wenn man der Natur zuliebe gänzlich auf das Streuen verzichten würde. Und im Übrigen wäre es auch der wirtschaftliche Schaden, der aus dem zu erwartenden Chaos entstehen würde...

...auf weniger befahrenen Straßen aber...

LR Mussner: ...kann man von Fall zu Fall sehr wohl entscheiden, ob man die Straßen nur räumt und auf den Salzeinsatz verzichtet. Die wenigen Autofahrer, die auf solchen Straßen unterwegs sind, sind meistens erfahren im Umgang mit schwierigen Straßenverhältnissen und bestens ausgerüstet. Wenn sie Ketten aufziehen, sind sie sicher unterwegs, auch ohne dass Salz zum Einsatz kommt.

Das Abwägen zwischen Sicherheit und Umweltschutz bleibt auf den Hauptverkehrsadern also. Kein Ausweg in Sicht?

LR Mussner: Wo der Mitteleinsatz groß ist, wird auch mit Nachdruck geforscht. Das ist beim Winterdienst nicht anders, in den in ganz Europa – und nicht nur – eine Menge Geld gesteckt wird. Geforscht wird im Bereich neuer Streugeräte, neuer Streumittel, aber auch neuer Streuzusätze, die die Natur entlasten sollen sowie salzresistenter Pflanzen. Die Hoffnung, dass wir uns irgendwann keine Sorgen mehr um die Natur am Straßenrand machen müssen, lebt demnach.


Landesrat Florian Mussner Dr. Florian Mussner
Landesrat für ladinische Schule und Kultur, Vermögensverwaltung, sowie öffentliche Bauten